Die deutsche Energiewende steht vor wegweisenden regulatorischen Weichenstellungen. Doch die Akteure müssen sich gedulden. Wie aus den aktuellen Planungen der schwarz-roten Bundesregierung hervorgeht, wurde der Kabinettsbeschluss zur großen EEG 2027-Reform und dem begleitenden Netzpaket verschoben. Statt wie geplant Mitte Mai, steht das Gesetzespaket nun für den 27. Mai 2026 auf der Agenda des Bundeskabinetts.
Warum gerät der Zeitplan ins Stocken?
Dass die federführende Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU), den Kabinettsbeschluss verschieben musste, liegt an tiefen Gräben hinter den Kulissen:
- Zähe Ressortabstimmung: Innerhalb der schwarz-roten Koalition wird intensiv um die Finanzierung und die Verteilung der Kosten gerungen.
- Keine formelle Anhörung gestartet: Entgegen mancher Berichte hat die offizielle Länder- und Verbändeanhörung für die endgültigen Entwürfe des EEG und des Netzpakets bis Mitte Mai noch nicht einmal begonnen. Dass das Kabinett bereits am 27. Mai entscheiden will, sorgt in der Branche für ungläubiges Kopfschütteln. Denn der offizielle Konsultationsprozess müsste damit extrem verkürzt werden.
Der Streit um Agri-PV: Zieht die Regierung der Doppelnutzung den Stecker?
Besonders beim Thema Agri-Photovoltaik (Agri-PV) – der intelligenten Doppelnutzung von Agrarflächen für Ernte und Solarstrom – droht ein herber Rückschlag.
Der Referentenentwurf des BMWE sieht vor, die bisherigen Sonderförderungen und Boni für Agri-PV, Floating-PV und Moor-PV drastisch einzudampfen oder ganz zu streichen. Der Verband für nachhaltige Agri-PV (VnAP) schlug deshalb Ende April 2026 Alarm: Sollten die Pläne so umgesetzt werden, entziehe das Gesetz der Agri-PV schlichtweg die wirtschaftliche Grundlage. Außerdem warnen Projektierer, dass dadurch genau jene Projekte sterben. Diese stehen für hohe gesellschaftliche Akzeptanz und minimalen Flächenverbrauch.
Fazit: Der 27. Mai wird zum Gradmesser
Die Verschiebung der Kabinettssitzung auf den 27. Mai 2026 verdeutlicht, dass die schwarz-rote Koalition vor einer Zerreißprobe in der Energiepolitik steht. Der Spagat zwischen Kosteneinsparungen (wie von der Union gefordert) und dem Erhalt der Investitionssicherheit für zukunftsweisende Technologien wie die Agri-PV scheint noch nicht gelungen zu sein.
Wir von Ylektra halten Sie über die weiteren Entwicklungen und den tatsächlichen Start der Anhörungen auf dem Laufenden.
